Suizid im Fernsehen

2008 Dezember 11
by SableyBlue

Gestern Abend wurde in Großbritannien auf dem Sender Sky Real Lives ein Bericht ausgestrahlt, der den Suizid eines schwerkranken Mannes dokumentiert.

Craig Ewert, ein Universitätsprofessor, litt an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit und nahm sich 2006 mit Unterstützung von der Sterbehilfeorganisation Dignitas das Leben.

Vor einigen Wochen erst hatte sich Abraham Biggs vor laufender Webcam umgebracht, woraufhin überall zu lesen war, wie schrecklich es doch sei, dass ihm Menschen zugesehen und ihn sogar noch ermutigt hätten. Und nun greift ein Fernsehsender das Thema Suizid auf und lässt den Zuschauer am Tod teilhaben.. Zwischen diesen beiden Fällen gibt es keinen Unterschied – ausser vielleicht die Zuschauerzahlen. Denn ich bin mir sicher, dass Sky Real Lives riesige Einschaltqouten erzielt hat. Menschen sind nunmal Voyeure. Und ich finde die Vorstellung schrecklich, dass das Schicksal dieses Mannes im Abendprogramm lief, während sich die Zuschauer es sich auf ihren Sofas gemütlich machten, vielleicht noch Chips aßen und voller theatralischer Bestürzung dem Sterben dieses Mannes zusahen.

Right To Die? nimmt die Zuschauer auf eine Reise mit, die sie sich nur vorstellen konnten, und die sie nicht vergessen werden.

..so wird die Dokumentation vom Sender angepriesen. Klingt reisserisch, wie Werbung für einen Hollywood-Film. Nicht nur dadurch, sondern auch durch eine Dokumentation dieser Art wird die Ernsthaftigkeit des Themas verfälscht.

  1. 2008 Dezember 12
    tinö Permalink

    Einige werden mich stirnrunzelnd ansehen aber ich finde, jeder muss selbst wissen, wie und ob er sein Leben beendet oder weiterlebt. Und wenn der Betroffene meint, er müsse dies im Internet zur Schau stellen, dann ist das meiner Meinung nach sein Problem. Wer bei so etwas zusehen will ist i.m.h.o. nicht ganz richtig im Kopf aber was solls?
    Jemand, der einen Suizid wirklich und ernsthaft vorhat, nimmt ohnedies keine Hilfe an und ich finde nicht, dass man in so einer Situation denen an den Karren pi**** sollte, die einfach nur ihre dumme Sensationsgier befrieden wollen. Die sind sehr wahrscheinlich extrem hohl in der Birne oder können sich ihre Zeit nicht mit etwas besserem totschlagen und wissen es scheinbar nicht besser, sonst würden sie sich sowas freiwillig gar nicht erst ansehen.

    Jeder ist selbst verantwortlich für alles, was er tut.

    Und bezüglich des Aufmachers für diese Doku: Sendeanstalten haben immer eine Tendenz, alls mögliche wer-weiß-wie aufzuplustern. Und dass man heutzutage überhaupt noch etwas im Fernsehen ansehen kann, ohne sich unweigerlich zu fragen, was nur mit dieser Welt im Laufe der Zeit geschehen ist, halte ich für unwahrscheinlich.

    So long.
    Tinö

  2. 2008 Dezember 30

    jrn0iq Thanks for good post

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